So, Leute, ich sag’s euch ganz klar. Ich bin jetzt soweit, die Legalisierung von zwei absolut unaussprechlichen Tabuthemen zu fordern.
Und zwar sind das ausgerechnet die Themen, die das internetpolitische Deutschland derzeit am meisten in Atem halten: Besitz von sogenannter “Kinderpornographie” (dokumentierter Kindesmißbrauch) und Holocaustleugnung.
(Ausführliches Distanzierungs-Geschreibsel darf sich der Leser bitte hier hindenken.)
“Kinderpornographie” muß weiterhin geächtet bleiben, das wird in unserem Kulturkreis kaum jemand ernsthaft in Zweifel ziehen. Dennoch glaube ich, daß ein Besitzverbot lediglich Ausdruck einer gewissen Machtlosigkeit ist. Man kann damit vermeintliche Ermittlungserfolge vorweisen, obwohl man in Wirklichkeit nichts an der grausamen Lebenswirklichkeit der mißbrauchten Kinder geändert hat und die Täter weiterhin frei herumlaufen.
Die Hexenjagd nach den bösen “Kinderporno”-Konsumenten lenkt aus meiner Sicht nur davon ab, daß der allermeiste Kindesmißbrauch höchstwahrscheinlich hinter verschlossener Tür und ohne laufende Videokamera stattfindet. (So gesehen muß man “Kinderpornographen” wie dem Kandidaten, der diese Woche aufgrund der Fahndung über “Aktenzeichen XY” festgenommen wurde, beinahe dafür dankbar sein, daß sie durch ihre perverse Filmerei eine Strafverfolgung ermöglichen, selbst wenn die Opfer aus Angst vor der Schande keine Anzeige erstatten wollen.)
Weitergabe und Verkauf von “Kinderpornographie” (so es denn überhaupt einen kommerziellen “Markt” für so etwas gibt) sollten dagegen weiterhin verboten bleiben und entsprechend verfolgt werden. Ob ich mich dafür erwärmen könnte, den käuflichen Erwerb ebenfalls straffrei zu halten, weiß ich noch nicht so recht. Je größer der Geldstrom (wie gesagt, so es ihn denn gibt), umso mehr Spuren zum Produzenten sollten zu finden sein. Gerastert werden unsere Kreditkartendaten ja so oder so.
Mein anderes Steckenpferd aus der jüngsten Zeit ist Straffreiheit der Holocaustleugnung. Als halbwegs vernunftbegabter Mensch gibt es kaum einen Grund, daran zu zweifeln, daß die Vorgänge in Nazi-Deutschland so stattgefunden haben, wie sie in den Geschichtsbüchern stehen. Als Skeptiker muß man sich fragen, was mit diesen Geschichtsbüchern nicht in Ordnung ist, wenn es als Kapitalverbrechen gilt, das Gegenteil von dem zu behaupten, was in ihnen geschrieben steht.
Warum soll solches Nazi-Material von mir ferngehalten werden, bis zu dem Punkt, wo die Bundesregierung es im Internet zensieren will? Ist vielleicht etwas wahres daran? Kann ich dort Dinge lesen, die mein bisheriges Geschichtsverständnis derart ins Wanken bringen, daß dadurch die öffentliche Sicherheit gefährdet wäre? Werden KZ-Opfer und ihre Nachkommen durch diese Lügen wirklich derart gedemütigt, daß es sich lohnt, die Grundrechte aller Bürger einzuschränken? Ich habe meine Zweifel, bei allem gebotenen Respekt vor den Opfern.
Ich werde durch Geschichten irgendwelcher Holocaustleugner nicht selbst zum Holocaustleugner und zum Nazi, genauso wie ich durch das Lesen irgenwelcher evangelikaler Schöpfungsgeschichten nicht beginne, an der Evolutionstheorie zu zweifeln. Ich werde beim Anblick einer 20-jährigen Pornodarstellerin ohne Falten, Cellulite und Körperbehaarung nicht zum Pädophilen, genauso, wie ich nicht zum Homo werde, wenn ich irgendwo aus Versehen auf Gay-Pornographie stoße. Der sonntägliche “Tatort” macht doch auch niemandem Lust aufs Morden.
Kann man als Bürger nicht zumindest soweit für voll genommen werden, daß man nicht zum Selbstschutz ein zensiertes Internet vor die Nase bekommt? Das ist doch vollkommen absurd.